Als erstes ist interessant zu erfahren, um was für ein Stück es sich bei dem vorhandenen Möbel handelt. Zur Klassifizierung dienen die sogenannten Möbelstile oder auch Stilrichtungen die durch einheitliche, vergleichbare oder aber ähnliche Merkmale dem Möbelstück eine Prägung verleihen, die wiederum einer Epoche, einem besonderen Künstler einer Zeit oder einem bestimmten Gebiet zugeordnet werden kann.
Generell kann man sagen, dass die Möbelstile mit der allgemeinen kulturellen Entwicklung, also dem Zeitgeist und der Architektur ihrer Epoche in enger Beziehung stehen, aber mit ihr nicht ganz identisch sind, da sie den Strömungen der jeweiligen Modetrends unterworfen waren.
Weitere Kriterien zur Bestimmung eines Stiles sind der verwendete Werkstoff, die Formgebung des Korpus, die Art der Verarbeitung, sowie die Beschaffenheit von Beschlägen und Schlössern, Fassungen und Polsterarbeiten. Auch Intarsien und anderweitige Verzierungen geben gut Aufschluss über Herkunft und Alter eines Möbels.
Besonders interessant ist der Umstand, dass die Formgebung und die konstruktiven Eigenschaften
eines Möbels der vor Ort herrschenden Architektur in gewisser Weise nacheifern, während die Ornamente und andere dekorative Elemente wie Bemalung , Verzierung und Polsterung viel stärker an der schnellentwickelnden Bekleidungsmode anlehnen.
So gibt es im Bereich antiker Möbel sowohl sehr traditionelle und langanhaltende Designs funktionaler Möbel wie z.B. Truhen, wie auch hochinnovative Designs, die innerhalb weniger Jahre starken Wechseln unterworfen sind. Ein gutes Beispiel hierfür sind Teppiche, Polstermöbel und dekorative Stücke wie Paravents.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt durch die Industrialisierung und die dadurch resultierenden, bequemeren Reisemöglichkeiten eine Vermischung der einzelnen Stile. Dies führt dazu, dass es im Möbeldesign internationaler zugeht, und die regionalen Merkmale zunehmend verschwinden. Seit den 50er Jahren wird das Möbel an sich von globaler, funktionaler Formsprache bestimmt, da sich weltweit mehr und mehr auch die Lebenssituationen und Wohngewohnheiten der Menschen angleichen und somit ähnliche Lösungen gefordert sind.
Etwa zeitgleich ist auch der Einfluss zum Beispiel afrikanischer und asiatischer Stilmittel auf europäisches Möbeldesign zu verzeichnen, was im Gegensatz zu den rationalen und leicht unterkühlten Möbeln einen frischen und herrlich „analogen“ Ton anschlägt.